Wer kennt es nicht? Man sucht nach einem Song, will ihn genau in diesem Moment hören und findet sich Sekunden später auf YouTube wieder. Man kommt auf eine Privatparty, bewegt sich zur Musik, sucht sowohl DJ als auch Stereoanlage vergebens und landet letztlich vor dem Rechner – die Songauswahl des Abends wird also von der YouTube-Playlist bestimmt. Zweifelsohne könnte keine Plattenkiste eines DJs, keine CD- oder Mp3-Sammlung eines Partygastes dieser riesigen Bandbreite das Wasser reichen. Zudem kann jeder Gast seinen Wunschtitel zur Playlist des Abends innerhalb weniger Sekunden hinzufügen um dem eigenen Musikgeschmack gerecht zu werden – “broadcast yourself”.
Praktischer geht’s wohl kaum. Selbst illegale Downloadseiten werden überflüssig, man kann die Lieder schließlich direkt von YouTube “rippen” bzw. aufnehmen. Wer jetzt den tausendsten “Gebt endlich wieder Geld für Musik aus!”-Artikel erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Ganz zu schweigen davon, dass diese Songs oftmals illegal auf dem Server des weltweit größten Videoportals geladen werden, zeichnet sich eine Entwicklung besonders ab: Soundqualität ist allgemein zweit-, vielleicht drittrangig oder sogar vollkommen irrelevant.
Zwar ist diese Erkenntnis nicht bahnbrechend neu, zumal es ganz natürlich ist, dass ein aktiver Musiker viel größeres Augen- bzw. “Ohrenmerk” auf solche Feinheiten legt. Jedoch werde ich, wie eingangs erwähnt, immer öfter mit diesem Thema konfrontiert und möchte dafür ein weiteres Beispiel nennen:
Da ich aufgrund meiner Albumproduktion zwischen Berlin und Braunschweig pendle, höre ich meistens Musik in meinem Auto, das mit einer recht guten Anlage ausgestattet ist. Nicht selten belegt ein guter Kumpel den Beifahrersitz, der seine selbst zusammengestellte, gebrannte CD in die Anlage schiebt. Spätestens nach den ersten vier Takten fangen meine Ohren an zu bluten und mein Musikerherz beginnt bitterlich zu schmerzen. Dass diese gut gemeinte Zusammenstellung hauptsächlich von YouTube “gerippt” wurde, ist kaum zu überhören, wenn die krassesten Ami-Hits, die in den teuersten Studios veredelt worden, klingen wie klirrende, scheppernde und rauschende Null-Budget-”Produktionen”, die mit dem Handy “abgemischt” worden. À propos Handy: Noch aggressiver werde ich in einem anderen Verkehrsmittel – die Straßenbahn. Wie oft war ich, als unschuldiger Bahnfahrer, Opfer von rücksichtslosen Klingelton-Terroranschlägen, die es offenbar gnadenlos auf mein Trommelfell abgesehen hatten? Fünf bis zehn Truckercap-tragende Vollpfosten versammeln sich um ein penetrant dröhnendes Mobiltelefon, als wäre es der Soundgenuss ihres Lebens. Da kann man sich glücklich schätzen, wenn man seinen Mp3-Player nicht zu Hause vergessen hat, wobei wir da schon beim nächsten Thema wären! Lange Zeit habe ich nach vernünftig klingenden Kopfhörern gesucht, die weder übergroß und prollig noch extrem klein und viel zu höhenlastig sind. Eine Runde Mitleid, bitte? Nein, noch zu früh!
Während YouTube-Parties, unvorteilhafte Beifahrer und Klingelton-Terroristen noch haarscharf im Rahmen des Erträglichen liegen, muss jeder Musiker bei folgender Erkenntis erbarmungslos durch die Hölle gehen:
Man sitzt jahrelang im Studio. Man diskutiert monatelang über das Klangbild des Albums. Man lässt es wochenlang mixen und diskutiert tagelang über die Frequenz einer Hi-Hat, bis man es endlich zum Mastering abgibt. Sollte man mit dem Mastering-Engineer auf einen Nenner kommen, hält man endlich das längst totdiskutierte Produkt in den Händen. Man geht einen Tag nach der Veröffentlichung des Albums auf YouTube und sucht nach seinen Songs. Man findet sie, selbstverständlich. Man scrollt hinunter zu den Kommentaren und liest tatsächlich Sätze wie “Gibt’s das auch in besserer Kwalität?” oder “Soundquali is fett scheizze”. Zwar gibt es hier und da den “HQ” (= high quality) Button, der die Wiedergabe in weitaus besserer Qualität ermöglicht. (An dieser Stelle möchte ich den Otto-Normal-Leser mit “kbps” und “kHz”-Fachchinesisch verschonen.) Aber auch dieser kleine Lichtblick täuscht nicht darüber hinweg, dass man den vollen Hörgenuss, abgesehen von weiteren illegalen Plattformen, hauptsächlich im guten alten WAV-Format auf CD, oder im vernünftigen Mp3-Format auf Plattformen wie I-Tunes erwerben kann. Sicherlich teilt nicht jeder Hörer die Perspektive eines Musiknerds wie mir. Allerdings müsste jeder Gleichgesinnte zum häufig verwendeten “Ich will Geld für meine Kunst!”-Argument noch ein weiteres hinzufügen:
“Ich wünsche mir, dass der Hörer meine Musik in derselben Qualität konsumiert, die wir im Studio entwickelt und letztlich abgesegnet haben!”. Ansonsten wäre mein voraussichtlich erst 2010 erscheinendes Album schon so gut wie fertig. Ich könnte die sogenannten “Previews” der Songs ins Presswerk befördern und die breite Masse würde eventuell nicht einmal den Unterschied wahrnehmen! Gott sei Dank sind die meisten Musiker viel zu detailverliebt und versuchen in erster Linie ihrem eigenen Anspruch gerecht zu werden, sodass die immer kleiner werdende Gruppe der “Soundgenießer” auch weiterhin auf ihre Kosten kommt!
In diesem Sinne,
F.R.
Word (und dafür direkt 1€ ins Hiphop-Phrasen-Schwein)! Zum einen für die Trucker-Caps
(da sind sicherlich auch einige Ed Hardy-Dinger bei, oder?
), zum anderen für die Worte zur Quali. Aber seitdem die Breitband-Anschlüsse Fuß gefasst haben, ist das “haben” wichtiger als das “genießen”. Während der eine stolz ist, dass er den neusten Cam-Rip auf seinem Handy gesehen hat, wartet der andere auf die BluRay für sein Heimkino. Bleibt nur zu hoffen, dass ab einem bestimmten Alter der “Kwalitets”-Anspruch wieder steigt.
Da sprichst du mir aus der Seele
Meine Freundin ist immer ganz angekratzt, wenn ich sie entnervt bitte Youtube zu schließen, obwohl es dort doch “alle die neue Chart-Musik” gibts
Das ist halt die ‘neue Schuluniform’ ;D
Echt guter Artikel, sehr lesenswert! Bis jetzt ist zwar noch keiner meiner Kumpels mit ner gebrannten CD mit Youtubesongs bei mir aufgetaucht, aber der Trend nervt echt. Ich genieße auch lieber gute alte AUDIO-CDs in meinem Auto mit schöner Alange!
Sprichst mir aus der seele!
werd mir auf jeden fall dein neues album als audio CD zulegen und nicht von i-tunes laden!! nur schade das es vorraussichtlich erst 2010 rauskommt…. freu mich schon seit nem jahr drauf
Aber gut ding braucht weile =)
WORD!
Du sprichst einem aus der Seele eFF! Den Artikel könnte man direkt so in jedem Hip Hop Magazin veröffentlichen ;D
Ich weiß gar nicht, wie oft ich Freunden erklären muss, dass Musik kaufen, nicht nur Geld ausgeben ist, für etwas das man im Internet umsonst bekommt.
Echt lustig. Hier sagt jeder “Ja F.R. du hast Recht”. Also ich glaub die meisten stimmen dem zu, weil sie Angst haben, dass wenn sie das zugeben, was sie wirklich tun – und zwar das genaue Gegenteil von Fabians Wollen, und zwar das sie selbst YouTube Musik runterladen -, dann würden sie ja in der Angst leben müssen, das eines Tages die Polizei auftaucht. Ja liebe Kinder… auch von YouTube Musik herunterzuladen OHNE ein Sharingprogramm ist verboten. Gibt ja genügend Kinder die nicht mal 14 sind , dir aber 140 Seiten nennen können, wo man YouTube Videos konvertiert.
Zu mir persönlich: Lieder die ich mag (mein Favorit z.Z. ist ja sehr passend: F.R. – F zum ABC) zieh ich mir auf YouTube rein. Lieder die ich hammer finde (oder ALben) lade ich bei Karstadt.. eh kaufe ich bei Karstadt
. Aber ich persönlich stehe eh nich so auf Kommerz-Mukke… gibt auch Musik die kostenlos erhältlich ist und mindestens genauso gute Qualität hat wie einige andere.
ich finds auch schei0ße das da die ganze leuten sowas machen,
naja ich kaufe mir das auf CD oder im internet Legal
Also grundsätzlich bin ich der Meinung, das ja wirklich nichts verkehrt daran ist, sich Musik, die man feiert auf YouTube reinzuziehen. Einfach deshalb, weil ich, würde ich mir alle Alben oder Maxis kaufen, die ich gut find, meinen kompletten monatlichen Lohn dafür rausschmeißen würde. =)
Das die Soundqualität ne Andere is’, das is’ selbstverständlich. Aber die breite Masse ist damit nun mal zufrieden und nutzt das “Angebot” das viele Pages eben bereitstellen und laden sich ihre Musik von YouTube.
Ne gute qualitativ hochwertige CD hat mittlerweile eben an Stellenwert verloren…
Aber die besten Alben (zuletzt Jay-Z Blueprint 3… sehr enttäuschend) kauf ich mir nach wie vor auf CD. Ich find es is einfach schon n geiles Gefühl, das Originalalbum in Händen zu halten, das Booklet durchzublättern und sich über Bilder und evtl. enthaltene Songtexte zu freuen =)
Echt ein Super Beitrag von dir , ich kann dir nur zu 100% zustimmen !!!
MAch weiter so F.R !
Tja, so sieht das heute nunmal aus. Zum Probe hören
Nochmal; bin versehentlich auf den Absenden-Button gekommen.
So sieht das heute nunmal aus. Zum Probe hören ist YouTube allemal zu gebrauchen, aber für den Musikgenuss, an dem Künstler wie du arbeiten, reicht das sicherlich nicht aus.
Nun, F.R., bestimmt denkt auch ihr daran, aber eure Studiolautsprecher und die 30€ 2.1-Systeme der Masse sind nicht ansatzweise zu vergleichen.
Höre ich mir Zuhause ein Lied bei YT an, grausts auch mir, bei Freunden ist der Unterschied zw. der YT-Qualität und der eines WAV-Files nicht mehr so immens, im Hintergrund noch die Nebengeräusche eines PCs und die Sache ist gegessen.
Wer legt denn heute noch eine CD in seinen Player und hört nur über die gute alte Stereoanlage Musik? Sicherlich unter 30% aller Jugendlichen. Schade eigentlich, denn gerade das – nur die Musik und nichts anderes zu genießen, macht den Unterschied, wie ich finde.
bei mir ist das soo…
ich muss mir die lieder ein paar mal in high quali reinzihen (CD am besten)
und dann muss ich nur leise den beat hören und der rest ergänzt sich im kopf (mehr oder weniger ^^ )mein weg das zu ertragen natürlich muss es für den absoluten genuß störungsfrei sein und ohne schlaglöcher ins ohr fließen aber ich mein wenn ich einen ohrwurm hab beschwer ich mich nich über die (talib)kwalli
wenn ich unterwegs bin meinen mp3 player nich am start hab oder ihn nich an die boxen anschließen kann find ich youtube schon eine altrenative aber eben begrenzt
das meiste im text stimmt, aber ich persönlich habe lieber umsonst 20 tracks, die keine top soundqualität haben, als 20 tracks für 15 €, die gute soundqualität haben.
ich kann sowohl das handeln der downloader als auch die meinung der künstler nachvollziehen.
[...] um dieser großen Klientel besser zu gefallen. Alles Real Wunderkind F.R. macht sich genau darüber Gedanken, kommt aber glücklicherweise zu diesem Schluss: Gott sei Dank sind die meisten Musiker viel zu [...]
[...] Wenn ich zurückdenke, was sich seitdem getan hat…puh! (Dazu möchte ich nochmal auf meinen “Rettet den Sound” – Artikel verweisen…) Wenn man über einen so langen Zeitraum detailliert an etwas [...]
Ich kauf mir auch alle neuen Alben die ich gut finde…aber alte Sachen die’s nichtmehr oder nur noch selten zu kaufen gibt hol ich mir bei youtube weil ich die einfach hören will..=)…die Soundquali ist manchmal wirklich zum kotzen..aber im großen und ganzen ist die ganz OK..:)
ich finde das Youtubeproblem eigentlich viel vielschichtiger … und dabei geht es genauso um das Geld wie die Qualität. also soweit ich das beobachte, sind solche Kommentare wie “gibts das nich in besserer qualität?” nur bei Tracks mit wirklich grausamer Qualität. und direkt danach kommen auch schon drei Kommentare ala “Wenn du bessere Qualität willst, kauf dir die CD!” … außerdem ist die Soundqualität teilweise tatsächlich drittrangig. wenn ich mir zum Beispiel was von Huss und Hodn anhöre, ist es völlig egal, ob von der sowieso kaputten Qualität noch ein Stück abgebaut wird … ich finde teilweise sogar, dass eine ZU gute (also saubere) Soundqualität der Musik sogar ein Stück weit die Atmosphäre nimmt (grade bei HipHop). und zu dem Geldaspekt: ich selber konventiere im Monat 3-4 Songs von Youtube … das sind dann ein DrumNBass-Song und drei HipHopsachen oÄ. wenn ich mir das kaufen wollen würde, müsste ich mir teilweise 4 ALBEN kaufen. weil ich normalerweise grade nicht die CHartmusik lade … und wenn dann ein einziges Album 18 €s kostet, dann kann ich das gleich vergessen! ich verstehe wie viel Arbeit in einem Album steckt und ich gönne dem Künstler das Geld … aber ich verstehe nicht, wieso ein Marsimoto-Album 12 €s bei Media Markt kostet und ein MIXTAPE von anderen Leuten 17 …. das kann ja nicht daran liegen, dass die Musik “schlechter” ist. es hat einfach keiner das Geld, um 17-19 €s für ein Album auszugeben, denke ich. … und vor allem nicht, wenn man von dem Album dann auch noch enttäuscht wird. was heutzutage leider zu oft passiert. und wenn sogar der eine Song, den ich vom Album haben will, nach zwei Wochen schon uninteressant ist, dann lohnt es sich einfach überhaupt nicht Geld dafür auszugeben.
mein Fazit aus der gesamten Entwicklung ist: ein gutes Album zu einem guten Preis kaufe ich gerne! ich liebe originale CDs! aber wenn das Album zu teuer ist … oder langweilig/schlecht was auch immer, dann lade ich mir den einen Song, den ich davon haben will, bei Youtube runter und scheiß auf die Qualität und lösche ihn wieder, wenn er uninteressant ist. es klingt vielleicht hart, wenn ich sage “produzier einen Klassiker, sonst gebe ich dir kein Geld!”, aber den Anspruch was gutes zu produzieren, hat ja (hoffentlich) sowieso jeder Künstler an sich selbst (obwohl man das bei manchen auch nicht unbedingt glauben möchte)
ok, kommt doch noch was^^ :
vielleicht sollten die Künstler endlich bei sich selbst suchen, wenn sie sich fragen, warum keiner mehr Platten kauft. ich will nicht sagen, dass Deutschrap komplett schlecht ist, aber es gibt einfach viel, was BELANGLOS ist. und das ist viel schlimmer ist “schlecht” oder “gut”, wenn etwas schlecht ist, dann reden die Leute trotzdem drüber und es steht wenigstens zur Diskussion. und dabei geht es nicht nur um das zehntausendste Gangstarapalbum des Jahres … sondern auch um neue Releases von Legenden wie Savas oder Olli Banjo. das sind zwar meine absoluten Lielingsrapper, aber trotzdem war ich von Sachen wie John Bello II oder Sparring III einfach enttäuscht … und ich bin kein fanatischer Backpacker oder Hater, der nur aus Prinzip das alte Zeug hört. ich sehe es ungefähr wie Laas … ich höre gerne das neue Zeug, wenn es gut ist!
und zu dem “Klangbild” noch mal: du sagst ja selber “totgeredet” … vielleicht liegt grade da der Fehler! vielleicht darf man etwas einfach nicht überproduzieren bis es zu glatt ist, sondern einfach wieder was rohes rausbringen … wo die Leute denken “WOW … ich hab noch nie gehört, dass eine HiHat so abgemischt wurde!!” (wenn sich die Hörer da überhaupt Gedanken drum machen) vielleicht muss die Musik wieder entprofessionalisiert werden … es war eigentlich immer so , dass das Rohe und Neue Beachtung gefunden hat … und sobald es zu professionell wurde, wurde es uninteressant und Pop, bis es irgendwann zu Radiomusik verkommt. zum Beispiel die nächsten Samy Deluxe-Sachen … das ist nur noch reine Radiomusik ohne Ecken und Kanten. und deswegen hat das für mich keine Bedeutung mehr (und das geht vielen anderen ja auch so).
wenn jemand Einwände hat: ich diskutiere gerne, solange es nicht beleidigend wird!
Ich muss F.R. da grundsätzlich recht geben, aber finde es nicht für alle Musikgenres zutreffend. Ich liebe HipHop/Rap, trete aber nicht zurück, wenn es mal um guten Rock oder andere Genres geht – damit möchte ich darauf ansprechen, dass ich im Rap mehr Genuss von der Lyrik habe, als von den meisten Beats. Klar sind viele Beats fett und manche Tracks hört man teilweise auch nur wegen dem Beat, aber das einzige, das man im Endprodukt wirklich in Studioqualität hören “sollte” ist doch die Musik, die auch wirklich gespielt wird und nicht künstlich angefertigte Beats. Würde man im Rap nur auf die Lyrics abfahren, würde auch jede zerkratzte alte Schallplatte (heutzutage YouTube) etwas bringen.
Wobei ich dir aber auf jeden Fall Recht geben muss, ist, dass viele Menschen einfach den Geschmack für Musikqualität verloren haben. Es kostet Geld ja, aber wer den wahren Klang liebt, der weiß worin er investiert.